Liebe sogenannte Fußball-„Fans“,

ja, ihr seht ganz richtig: Den Begriff „Fan“ habe ich mit Absicht in Anführungszeichen gesetzt, denn das, was ihr gestern im Volksparkstadion gemacht habt, hat weder etwas mit „Fußball“ noch mit „Fan“ zu tun – das war einfach nur widerlich.

Natürlich ist es schade, wenn der Verein, für den das Herz schlägt, absteigt. Auch ich bin mit dieser Entwicklung nicht zufrieden. Aber die Nummer, die ihr gestern abgezogen habt, ging auf keine Kuhhaut. Was bitte stimmt mit euch nicht? Wurdet ihr als kleines Baby dreimal in die Luft geworfen und nur zweimal wieder aufgefangen? Oder stand euer Schaukelgestell zu dicht an der Hauswand? Oder seid ihr einfach nur dumm?

Ja, der HSV hat eine schlechte Saison gespielt. Ja, der Vorstand war unfähig, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das passiert halt, wenn man Leute auf Führungspositionen setzt, die sich profilieren wollen, anstatt das Richtige zu tun. Ja, alle paar Wochen einen neuen Trainer zu präsentieren ist nicht die richtige Lösung (wahrscheinlich aber die leichteste). Und ja, Christian Titz hat alles richtig gemacht – nur zu spät.

Damit auch ihr hirnamputierten Idioten das versteht: Der HSV ist nicht gestern abgestiegen – das hat er in den Wochen und Monaten davor schon hingekriegt. Gestern hat die Mannschaft ein durchaus ansehnliches Spiel gezeigt – und bewiesen, dass sie kämpfen kann und kämpfen will. Diese Mannschaft ist nicht wie ein geprügelter Hund vom Feld geschlichen, sondern hoch erhobenen Hauptes und mit gestärktem Rückgrat. Rückgrat ist übrigens etwas, was euch auch mal guttun würde: Dass ihr mit dem Tabellenplatz nicht einverstanden seid, ist in Ordnung. Aber was macht ihr, anstatt die Mannschaft, die im letzten Spiel nochmal alles gegeben hat, zu unterstützen? Ihr versteckt euch unter einer Plane und vermummt euch darunter, weil ihr genau wisst, dass das, was ihr gleich machen werdet, nicht in Ordnung ist.

Hat euer Papa euch nicht beigebracht, dass man für das, was man tut, einstehen muss? Hat eure Mama euch nicht beigebracht, dass man Konflikte nicht mit Gewalt löst? Ich bin sicher, wenn eure Eltern erfahren, was ihre Kinder da gestern veranstaltet haben, werden sie tief beschämt sein.

Das hat nichts mit Fußball zu tun!

Falls ihr meint, ich wüsste nicht, wovon ich rede, irrt ihr euch. Ich war gestern mit meinem Sohn im Stadion. Wir gehörten zu den 56.900 Zuschauern, die sich gegen euch gestemmt haben. Zu den 56.900, die wollten, dass sich der HSV in Würde aus der ersten Bundesliga verabschiedet. Zu den 56.900, die traurig und wütend sind, dass ein paar bekloppte (damit meine ich euch sogenannte „Fans“) der Mannschaft genau diese Möglichkeit genommen haben.

Mein Sohn und ich sind dann vor dem Abpfiff aus dem Stadion verschwunden. Die Polizei hatte die Lage zwar unter Kontrolle, aber bei so bekloppten wie euch kann man ja nie wissen, ob da nicht vielleicht doch mal ein Böller in die falsche Richtung fliegt – dass ihr mit eurem Verhalten nicht nur das Spiel stört, sondern auch andere gefährdet, habt ihr wohl noch nicht begriffen. (Und das werdet ihr leider auch nie begreifen, da ist Hopfen und Malz verloren.)

Jetzt habe ich euch Idioten leider mehr Aufmerksamkeit gewidmet, als ihr wert seid. Deshalb noch ein paar abschließende Worte zur Mannschaft: Eure Leistung gestern war gut. Sicherlich ist da noch Luft nach oben, aber im Großen und Ganzen habt ihr ein tolles Spiel gezeigt und es hat Spaß gemacht, Euch zuzusehen. Auch dass Ihr nicht aufgegeben habt, als sich der Wolfsburger Sieg – und damit Euer Abstieg – abzeichnete, verdient höchste Anerkennung und Respekt. Ihr habt genau das gemacht was ich mir gewünscht habe: Ihr habt Euch würdig aus dieser Liga verabschiedet.

Ich bin sicher, wenn Ihr den Weg, den Euer Trainer Euch bereitet, weitergeht, wird das Gastspiel in der zweiten Liga ziemlich kurz bleiben. Dass Ihr noch weiter absteigt, möge der Fußballgott verhindern (auch wenn Ihr einige Fans habt, die gestern eindrucksvoll ihr Bolzplatz-Niveau gezeigt haben). Ich gehe jedenfalls davon aus, dass die erste Bundesliga Euch wieder zur Spielzeit 2019/2020 begrüßen darf.

Und nun noch ein paar abschließende Worte zum HSV (also der „Firma“): Mich haben Sie gestern vermutlich zum letzten Mal im Stadion gesehen. Ich wurde abgetastet, bevor ich reindurfte. Bei mir wurden keine verbotenen Gegenstände gefunden (ich hatte auch keine dabei). Wenn ich mir aber die Bilder aus dem Stadion ab der 90. Minute ansehe, drängt sich mir der Verdacht auf, dass diese Einlasskontrollen mehr als schlampig durchgeführt wurden. Wie bitte kann es angehen, dass ein paar Vollhonks so ein Chaos veranstalten? Vor dem Hintergrund dieses Geschehens habe ich vollstes Verständnis dafür, dass die Verwaltungen die Vereine für Polizeieinsätze zur Kasse bitten – das, was da gestern abgegangen ist, wäre wahrscheinlich bei ordentlichen Kontrollen nicht möglich gewesen.

Ich bin nicht bereit, noch einmal knapp 60 Euro für eine Karte zu bezahlen, damit ich dann miterleben kann, wie ein paar Hohlbirnen den Rasen in ein Schlachtfeld verwandeln. Mein Sohn meinte hinterher: „Papa, das war doof, da gehen wir nicht wieder hin.“

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